Sie befinden sich hier: Über uns






Die Geschichte des Arbeiter-Samariter-Bundes Europa

Entwicklung in Europa

Von der Gründung des Arbeiter-Samariter-Bundes im Jahr 1888 und seinem Aufstieg zu einer der bedeutendsten Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen unserer Zeit.

Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner

Vor rund 115 Jahren gab es weder Rettungsdienste noch Arbeitsschutz- oder Unfallverhütungsvorschriften. Niemand kümmerten bis dahin die extrem hohen Unfallzahlen in den Fabriken. Ungeschützte Maschinen verursachten schwere, oftmals tödliche Unfälle, und niemand konnte helfen. Es waren weder ausgebildete Ersthelfer noch Verbandmaterial verfügbar. Helfen durften und konnten nur Ärzte. Doch die waren rar und bis sie am Unfallort eintrafen, verging oft viel wertvolle Zeit.

Im Jahre 1888 ergriffen sechs Berliner Zimmerleute die Initiative und setzten gegen viele Widerstände den ersten "Lehrkursus über die Erste-Hilfe bei Unglücksfällen" durch. Die Berliner Zimmerleute waren nicht nur die Gründerväter des heutigen ASB; durch ihre Initiative haben sie auch der Notfallrettung in Deutschland wesentliche Impulse gegeben.

In den Folgejahren entstanden auch in anderen Städten ASB-Kolonnen. Sie bildeten Laien in Erster Hilfe aus, führten Sanitätsdienste durch und eilten nach Unglücken herbei, um die Verletzten zu versorgen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde alle nicht zu den Waffen gerufenen Samariter aufgefordert, freiwillige Kriegskrankenpflege zu übernehmen.

Inmitten der Extreme

In der Weimarer Republik konnte der ASB seine Strukturen und seine gesellschaftliche Stellung erfolgreich ausbauen. Doch dann kamen die Nationalsozialisten und zerschlugen den ASB.

Auch beim ASB hinterließ der Erste Weltkrieg schmerzliche Spuren. Viele hatten ihr Leben an der Front oder im Sanitätsdienst verloren. Von den 1914 bestehenden 108 Kolonnen mit rund 6.000 Mitgliedern bestanden 1918 nur noch 30

Kolonnen mit etwa 1.400 Mitgliedern. Doch die Reorganisation des ASB ging schnell voran. Die politisch instabile Lage mit blutigen Demonstrationen und Putschversuchen brachte es mit sich, dass die Sanitäter des ASB aus der Zeit nicht wegzudenken waren.

Doch gab es auch viele neue Aufgaben: Der ASB engagierte sich auf allen Gebieten der Volkswohlfahrt, baute eine umfassende Hauskrankenpflege auf, kümmerte sich um die Sanitätseinrichtungen in den Fabriken und widmete sich intensiv der Gesundheitsfürsorge und der Kinderhilfe. Speziell in den Krisenjahren 1923/24 und ab 1929 versorgte der ASB hungernde und frierende Familien mit Lebensmitteln und Kleidung.

Wie erfolgreich der ASB war, zeigen die Zahlen: 1932 existierten wieder 1.574 Kolonnen mit 52.362 aktiven Helfern.

Trotz seiner politischen Neutralität war der ASB den aufsteigenden Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Nach deren Machtübernahme wurde der ASB verboten und das gesamte Vermögen beschlagnahmt.

Der ASB in Westdeutschland

Mit Gründung der Bundesrepublik entstand der ASB neu

Ohne voneinander zu wissen, bemühten sich unmittelbar nach Kriegsende ehemalige Arbeiter-Samariter in verschiedenen Städten Deutschlands um die Wiedergründung des ASB. Während das in den westlichen Besatzungszonen kein Problem war, lehnten die Sowjets den ASB ebenso ab wie später die DDR-Regierungen.

Mit Gründung der Bundesrepublik entwickelte der ASB schnell überregionale Strukturen. Sitz des ASB Deutschland wurde zunächst Hannover, später dann Köln. In den 50er Jahren konzentrierte sich der Verband auf seine traditionellen Aufgabenfelder: Dies waren vor allem die Erste-Hilfe-Ausbildung, der Sanitäts- und Rettungsdienst sowie der Krankentransport. Unter dem Eindruck des Kalten Krieges übernahm der ASB auch Aufgaben im Luft- und Katastrophenschutz.

Kontinuierlich erschloss der ASB im Laufe der 60er Jahre neue Aufgabenbereiche. Während er sich bei internationalen Katastrophen- und Auslandseinsätzen einen Namen machte, baute er Krankenhäuser und Altenpflegeheime, kümmerte sich um Behinderte, alte und kranke Menschen und organisierte Fahrdienste.

Neben der Kinder- und Jugendhilfe und der Flüchtlingsbetreuung wurden in den 80er Jahren insbesondere die Mobilen Sozialen Dienste ausgebaut, die seitdem von Jahr zu Jahr neue Rekordergebnisse aufzuweisen haben. Eine Umfrage im Jahr 1985 zeigte, dass 77 Prozent der Bevölkerung den ASB kennen.

Nach dem Fall der Mauer nahmen Bürgerinnen und Bürger aus der DDR Kontakt zum ASB auf. Sie wollten unter dem Dach nicht SED-belasteter Organisationen neue Hilfs- und Wohlfahrtsstrukturen aufbauen.

Der ASB unterstützte die Vorhaben mit Nachdruck. Der erste ASB-Ortsverband entstand am 27. Januar 1990 in Güstrow. Bis Ende des Jahres waren es bereits 81 neue Ortsverbände mit rund 20.000 neuen Mitgliedern. Finanziell unterstützte der ASB den Aufbau neuer Sozial- und Rettungsdienststrukturen allein im Jahr 1990 mit 6,5 Millionen Mark. Den neuen Bundesländern entsprechend, gründeten sich im Herbst 1990 ASB-Landesverbände. Inzwischen ist der ASB mit dem gleichen, breiten Leistungsangebot in den neuen Bundesländern präsent wie in den alten. Bundesweit hat der ASB gegenwärtig über 1,1 Mio. Mitglieder. Er beschäftigt über 16.000 hauptamtliche und über 11.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im Hinblick auf die Wohlfahrtspflege war die Einführung der Pflegeversicherung 1995/96 ein Meilenstein. Die Pflege hilfs- und pflegebedürftiger Menschen im Alter ist seither finanziell gesichert. Kontinuierlich arbeitet der ASB daran, seinen Service auszubauen, die Qualität seiner Leistungen zu steigern und kosteneffizient anzubieten. Damit ist der ASB auf dem besten Wege zur sozialen Dienstleistungsorganisation der Zukunft.